23.01.2026

Staatlicher Zynismus: Deutschland verrät seine afghanischen Ortskräfte
Was die Bundesrepublik Deutschland derzeit mit ihren afghanischen Ortskräften praktiziert, ist kein Verwaltungsversagen, kein unglücklicher Nebeneffekt komplexer Verfahren – es ist organisierter Wortbruch. Es ist die kalte, bürokratisch verkleidete Weigerung, Verantwortung für Menschen zu übernehmen, die im deutschen Auftrag gearbeitet haben und dafür nun mit dem Tod bedroht sind.
Deutschland hat diesen Menschen Schutz zugesagt. Schriftlich. Öffentlich. Wiederholt. Und Deutschland bricht dieses Versprechen – leise, schrittweise, ohne offenes Bekenntnis, aber mit tödlichen Konsequenzen.
Während Politiker in Sonntagsreden von „historischer Verantwortung“ und „Lehren aus Afghanistan“ sprechen, lassen dieselben staatlichen Stellen jene im Stich, die Deutschland vor Ort überhaupt handlungsfähig gemacht haben. Übersetzer, Fahrer, Ortskräfte der Bundeswehr und ziviler Organisationen werden heute so behandelt, als seien sie ein lästiger Kollateralschaden einer missliebigen Mission – Menschen, die man lieber vergessen möchte.
Besonders perfide ist die Methode: Die Bundesregierung widerruft Zusagen nicht offen, sie lässt sie schlicht verdorren. Verfahren werden endlos in die Länge gezogen, Anforderungen ins Absurde gesteigert, Sicherheitsprüfungen neu erfunden. Dokumente werden verlangt, die unter Taliban-Herrschaft faktisch nicht zu beschaffen sind. Fristen verstreichen ohne Antwort. Hoffnung wird verwaltet, bis sie stirbt.
Das ist kein Zufall. Das ist politische Absicht.
Denn hinter der Fassade aus „Sicherheitsbedenken“ und „Zuständigkeitsfragen“ verbirgt sich ein klarer Wille: möglichst wenige dieser Menschen nach Deutschland zu lassen – selbst dann nicht, wenn der deutsche Staat ihnen seine Schutzgarantie gegeben hat. Der Schutz von Leben wird migrationspolitischen Erwägungen geopfert, moralische Verpflichtung der Angst vor rechter Stimmungsmache.
Wer so handelt, darf nicht mehr von Werten sprechen.
Denn was ist ein Staat wert, dessen Zusagen nichts gelten, sobald sie politisch unbequem werden? Was ist ein Rechtsstaat wert, der formale Tricks einsetzt, um sich aus selbst eingegangenen Verpflichtungen herauszuwinden? Und was ist ein Land wert, das Menschen benutzt – und sie anschließend fallen lässt?
Die Bundesregierung trägt für dieses Versagen die volle Verantwortung. Sie kann sich nicht hinter Behörden, Prüfverfahren oder föderalen Strukturen verstecken. Jeder Tag des Wartens, jede abgelehnte Einreise trotz Zusage, jede verschleppte Entscheidung ist eine bewusste Handlung – und eine bewusste Gefährdung von Menschenleben.
Dass einige dieser Ortskräfte inzwischen untergetaucht sind, gefoltert wurden oder ermordet wurden, ist kein tragisches Randphänomen. Es ist die direkte Folge deutschen Nichthandelns.
Und die Konsequenzen reichen weit über Afghanistan hinaus. Wer heute sieht, wie Deutschland mit seinen ehemaligen Partnern umgeht, wird morgen keinen deutschen Versprechen mehr trauen. Keine lokale Kraft, kein ziviler Helfer, kein Partner in künftigen Missionen. Deutschlands Glaubwürdigkeit – mühsam über Jahrzehnte aufgebaut – wird hier in Zeitlupe demontiert.
Man wird sich später nicht damit herausreden können, man habe „es nicht besser gewusst“. Die Warnungen liegen seit Jahren auf dem Tisch. Die Schicksale sind dokumentiert. Die Verantwortung ist eindeutig.
Deutschland könnte handeln. Sofort. Es entscheidet sich täglich dagegen.
Das ist kein technisches Problem.
Es ist ein moralisches Versagen von historischem Ausmaß.

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